Vorsorgevollmacht
Was ist eine Vorsorgevollmacht?
Eine Vorsorgevollmacht ist ein schriftliches Dokument, in dem du eine oder mehrere Personen bevollmächtigst, in deinem Namen Entscheidungen zu treffen, falls du das selbst nicht mehr kannst – z. B. wegen Krankheit, Unfall, Demenz oder Bewusstlosigkeit.
Warum ist sie so wichtig?
Ohne Vorsorgevollmacht gilt in Deutschland:
Niemand (nicht einmal Ehepartner oder Kinder!) darf automatisch für dich Entscheidungen treffen.
Wenn du also handlungsunfähig wirst, muss das Gericht einen rechtlichen Betreuer bestellen.
Dieser Betreuer kann eine fremde Person sein – nicht unbedingt jemand aus der Familie.
👉 Eine Vorsorgevollmacht stellt sicher, dass eine Person deines Vertrauens handeln darf, ohne Gerichtsverfahren.
Was darf die bevollmächtigte Person entscheiden?
Das hängt davon ab, welche Befugnisse du gibst. Typischerweise umfasst eine umfassende Vorsorgevollmacht:
Gesundheit & Pflege
Zustimmung oder Ablehnung von Behandlungen oder Operationen
Auswahl des Krankenhauses oder Pflegeheims
Entscheidung über künstliche Ernährung, Wiederbelebung usw. (zusammen mit Patientenverfügung)
Aufenthalt & Wohnung
Bestimmung, wo du lebst (z. B. Pflegeheim oder zu Hause)
Kündigung oder Abschluss von Mietverträgen
Vermögenssorge
Bankgeschäfte, Rentenangelegenheiten, Steuererklärungen
Verkauf oder Verwaltung von Eigentum
Behördenangelegenheiten
Kommunikation mit Krankenkasse, Rentenversicherung, Ämtern usw.
Post und digitale Konten
Öffnen von Post, Verwaltung von E-Mail- und Onlinekonten
Formen & Anforderungen
🔹 Schriftform
Die Vorsorgevollmacht muss schriftlich verfasst und handschriftlich unterschrieben sein.
Sie sollte klar und eindeutig formuliert sein.
🔹 Notarielle Beurkundung (empfohlen bei…)
größeren Vermögenswerten (z. B. Immobilien)
wenn du möchtest, dass Banken oder Behörden sie zweifelsfrei anerkennen
oder wenn du sicherstellen willst, dass die Formulierung juristisch korrekt ist
Ein Notar prüft auch deine Geschäftsfähigkeit, was Missverständnisse später verhindert.
Registrierung (freiwillig, aber sinnvoll)
Du kannst deine Vorsorgevollmacht beim
➡️ Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (www.vorsorgeregister.de)
registrieren lassen.
Das Gericht kann dann im Ernstfall sofort sehen, dass es eine Vollmacht gibt, und muss keinen Betreuer bestellen.
Wen sollte man bevollmächtigen?
Wähle jemanden:
dem du absolut vertraust,
der verantwortungsbewusst ist,
und bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.
Viele ernennen:
Ehepartner oder Lebenspartner
erwachsene Kinder
enge Freunde
Man kann auch mehrere Personen einsetzen (z. B. für unterschiedliche Bereiche oder gemeinsam).
Was passiert, wenn man keine Vorsorgevollmacht hat?
Dann:
bestellt das Betreuungsgericht einen rechtlichen Betreuer,
dieser kann (aber muss nicht) ein Angehöriger sein,
der Betreuer ist dem Gericht rechenschaftspflichtig,
du hast weniger Einfluss, wer über dich bestimmt.
